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Rückblick

Im Jahre 1951, ich war gerade 12 Jahre alt, fing hiermit alles an:

Genau genommen war es so: Zu Weihnachten 1950 bekamen mein Bruder und ich

zusammen ein Buch. “DURCH DIE WEITE WELT BAND XXIV -

 Ein Buch für jeden Jungen” - Franckh`sche Verlagshandlung Stuttgart.

 Das Buch haben wir zum xten mal gelesen.

Auf den letzten Seiten wurde KOSMOS-LEHRSPIELZEUG angeboten.

Mich interessierte am meisten der RADIOMANN. Preis DM 28,50 plus der für den

Fernempfänger (Audion) Doppelgitterröhre (5pol Europasockel) für DM 9,50.

Meine Eltern waren damals noch nahe dem absoluten wirtschaftlichen Nullpunkt.

MÄRKLIN- HO-Modellbahn , Stabilbaukasten und Dampfmaschine mussten wir in

Schlesien zurück lassen.

Aber ich hatte in der Nachbarschaft einen Freund, dessen Eltern ein Kino besassen.

 Bald hatte ich ihn überzeugt und wir hatten einen RADIOMANN.

Mir blieb im eigentlichen das Studium des Anleitungsbuches (50 Seiten, 74 Abbildungen) vorbehalten.

Ein Experiment in dem Buch war ein Detektorempfänger. Ab jetzt baute ich in eigener Regie Detektorempfänger. Mit der Laubsäge

wurde aus Sperrholz das Chassis angefertigt. Mittelwellenspule und Drehko lieferten ausgediente DKE

 (Deutscher Kleinempfänger, auch Göbbelsschnauze genannt). Nur das “Kristall”, (siehe Abb. rechts) eigentlich eine Germaniumdiode,

mußte für DM 1,50 zugekauft werden. Mit reichlich Antennendraht ging es dann zum Radiohören in`s Freie.

 Waren es die beengten Wohnverhältnisse oder der Zug nach draußen? Der Drang in die Natur ist bis heute geblieben.

Auf seltsame Weise kam ich an einige alte Exemplare der “Funkschau” Jahrgang 1949. Im Anzeigenteil stiess ich auf die Firma

Radio RIM in München und bestellte dort ein Basteljahrbuch. Jahrgang 1952. Zu den Bestsellern gehörte der Bausatz für den

Röhrenempfänger “Piccolo” sein Schaltbild siehe unten. Die Bauteile dafür kaufte ich aber bei RADIO HOLZINGER in München,

Marienplatz - dort waren sie nämlich günstiger zu haben.        

Wieder wurde mit der Laubsäge ein schickes Kästchen mit Deckel an

Scharnieren gefertigt, welches das Gerät nebst Batterien und Kopfhörer

aufnahm. Eine zusammen schraubbare Stabantenne wurde aus

Motorrad- und Fahrradspeichen hergestellt. Bald fanden sich

Interessenten, die auch so ein Gerät haben wollten.

Eine Kleinserienfertigung lief an.

Der Kurzwellenamateur  von Karl Schultheiss  DL1QK

 Im RIM-Basteljahrbuch war schon von einem Amateurfunkempfänger und einem 2 Meter UKW-Tranceiver die Rede, aber was es mit dem Amateurfunk richtig auf sich hatte,

konnte mir niemand sagen. In einer Osnabrücker Buchhandlung sah ich im Schaufenster das Buch “Der Kurzwellenamateur”. Meine Ersparnisse erlaubten soeben den Kauf,

aber jetzt war ich auf der richtigen Schiene. Ein 0V2 Empfänger wurde gebaut und gleich das erste Exemplar funktionierte ausgezeichnet. Bei weiteren Empfängern war das

 nicht immer der Fall. Oft brachten auch Nachbesserungen keinen Erfolg. Später hörte ich, daß andere OMs die gleiche Erfahrung gemacht haben.

Neue Tagespost     Tageszeitung für den Landkreis Osnabrück

 Im Spätsommer 1956 lud der OV I12 Osnabrück zu einer Informationsstunde über den Amateurfunk in die Berufsschule an der Seminarstrasse in Osnabrück ein.

Das war für mich der günstigste Moment, um in meinen Interessen weiter zu kommen. Die Begrüssung und Einleitung machte der damals weitbekannte DL1PS Erwin Klein.

Das weitere nahm dann Adolf Isensee DL3GS in seine bewährten Hände. Pünktlich um 19 Uhr sassen wir Newcomer auf den Schulbänken und OM Adolf lehrte uns HF- und

 Betriebstechnik. Gegen 20 Uhr kamen dann die Oldtimer hinzu und es begann der OV-Abend. Anschliessend ging es noch auf ein Bier zu Karl Liese oder ins Kolpinghaus.

Spätestens hier wurde ich lebenslänglich mit dem HF-Bazillus infiziert. Im August 1956 wurde ich DARC- Mitglied

Mein erstes DL-QTC Heft 11 - November 1956

Seit Oktober 1956 war ich also Mitglied des DARC. Beim allmonatlichen OV-Abend des I12 gab es

theoretischen Unterricht von DL3GS. Angesichts der für das kommende Frühjahr anstehenden Gesellenprüfung

 liess ich den Lötkolben kalt und wandte mich ganz der Theorie zu. Diese Entscheidung, den von DL3GS

gegebenen Schwung zu nutzen war goldrichtig. Ich bestand die Gesellenprüfung als Innungssieger.

 Als Lehrling verdiente ich im ersten Lehrjahr 25, im zweien 35 und in dritten 45,00 DM.

Davon durfte ich jeweils 5 DM behalten, den Rest musste ich meinen Eltern geben. Wir hatten 8 Jahre nach

unserer Vertreibung aus Schlesien ein Haus gebaut.

Not macht erfinderisch!

Höfliches auftreten beim Kunden und gute Arbeit sicherten damals fast immer ein Trinkgeld. Und Radios

konnte ich reparieren. Die meisten Fehler konnte man riechen - es war der Selengleichrichter, den die

durchgeschlagenen Elkos ins Jenseits befördert hatten. Wenn ich dann noch dem verräucherten Radio aus

der Kneipe einen neuen Bespannstoff spendierte, war das die beste Reklame und bescherte neue Aufträge.

Neulich fand ich meine Bienenkorbglimmlampe aus längst vergangenen Zeiten wieder.

 Ich erinnere mich genau, dass ich sie 1955, ich war im 2. Lehrjahr, bei Frommeyer + Ziegemeyer in

Osnabrück am Niedersachsenplatz gekauft habe.Hier leuchtet sie mit 230V AC. Heute mag es unwirklich

erscheinen, zu was damals eine Glimmlampe gut war: Hochohmig Spannung prüfen, Polarität bestimmen,

Kondensatoren prüfen usw. Die Bienenkorbglimmlampe, ein Einbau- Dreheisenvoltmeter mit geringen

Ri und ein 2000 Ohm Kopfhörer waren damals die zu Verfügung stehenden Prüfmittel. Mit diesen

bescheidenen Mitteln hatte ich so manches Audion mit RV2,4P700 und etliche 0V1 - 0V2 und 1V1 gebaut

und manches Radio repariert.

Das Friedrichs Tabellenbuch - das Radio-Taschenbuch,

 Ausgabe 1952 aus dem gleichen Verlag und der ARISTO Rechenschieber gehörten zur Standartausrüstung.

Auf den alten ARISTO - Analogrechener damals Rechenschieber genannt, lasse ich auch heute nichts

kommen! Kein Ärger mit leeren Batterien. multiplizieren dividieren potenzieren radizieren 2. und 3. Potenz

Logarithmus X sinus arcus tangens und die kW - PS dierkt auf dem Läufer Irgendwann hat sich dann doch

der Taschenrechner durchgesetzt.

VEB R-F-T 106  Nr. 651986

Im April 1957 war ich Geselle und verdiente im Handwerk netto

 ca. 200 DM im Monat. Der Lohn wurde wöchentlich ausgezahlt.

 Nach 2 Wochen kaufte ich bei Radio Arlt in Düsseldorf dieses

Multimeter. Ri = 333 Ohm / Volt  das macht im 300V-Bereich

100 kOhm. Da mußte man bei einer Schirmgitterspannung die

 wirkliche Spannung schon einmal nachrechnen.

Morselehrgang des DARC auf Schallplatten von Günter Halbauer DL3TJ.

Die Schallplatten bestehen aus ganz dünnem, fast unzerbrechlichen, weissen Kunststoff und laufen mit

33 U/min In 1960-61 leistete ich bei der Luftwaffen-Fla. in Aurich / Ostfriesland meinen Militärdienst ab.

Bald hatte ich mit anderen OM`s, insbesondere von der benachbarten Flugmeldeeinheit Kontakt.

Diese hatten Verbindung zu den OM`s in und um Aurich. Auf diesem Weg erwarb ich secondhand den

Morselehrgang von einem OM aus (23) Walle / Post Aurich.

Der Lehrgang kostete damals per Nachnahme 20,10 DM beim DARC

50 Jahre

Dieses Kristallmikrofon erstand ich im Jahr 1959, dem Jahr mit dem extrem heissen Sommer bei:

Heinz Schütze - DL1TA Amateurfunkbedarf Gäfelfing / München. Heute betreibe ich dieses Mikrofon noch

an meiner TRIO-LINE 599. Oft bin ich Samstags gegen 08:00 LT in der Fliegerfunkrunde auf 3.688,5 kHz

Immer wieder wird die gute Modulation meiner Aussendung gelobt.

Kristallmikrofon MKS 4/5 F+H Schumann GmbH Wevelinghoven 30, Hinsbeck/Rhld.

Die damaligen Handelsbezeichnungen waren: ” Merula “ oder “ Schumann-Merula “

Frequenzbereich: 50 - 10.000Hz - Listenpreis mit Tischständer: 28,20 DM

Hannes Bauer Bamberg hatte dieses Mikrofon noch in seinem Katalog von 1968

“ Wirtschaftswunder “

nennen wir heute diese Jahre. Für uns, die diese Zeit erlebt haben, war es kein Wunder sondern harte Arbeit. Besser gesagt: “ Maloche “.

Wir hatten eine 48-Stunden-Woche, keinen Tag ohne Überstunden und abends mit dem Fahrrad 20 km zur Abendschule.

Samstag war Arbeitstag bis 14:00 - danach Werkstatt aufräumen. Da konnte es schon mal 17:00 werden, je nachdem was in der Woche so liegen

geblieben war. Urlaub laut Tarif 12 Tage, der Sonntag eingerechnet - wenn man sie denn bekam.

 

 „Die Erinnerungen verschönern das Leben, aber das Vergessen allein macht es erträglich.“

Honor de Balzac